… hast, daß die letzte Genauigkeit der Wahrheit unerreichbar ist, ergibt sich in der Folge für dich, daß jede menschliche Behauptung über das Wahre, die positiv ist, eine Mut-Maßung ist.«
Nikolaus von Kues
Kues, Nikolaus von: Die Mut-Maßungen. In: ders.: Die philosophisch-theologischen Schriften II. Darmstadt: WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), 2014(4). S. 3.

Das Zitat besagt, dass kein Mensch die absolute und vollständige Wahrheit jemals erfassen kann.
Für den Autor ist die vollkommene Wahrheit vermutlich Gott.
Ich stimme ihm zu, dass der menschliche Verstand begrenzt ist, aber ist es wirklich immer so, dass man sich der Wahrheit nur annähern kann? Sie nie vollständig erfassen kann?
Die Einstellung der Begrenztheit des Wissens, bringt Folgen für das menschliche Denken und Urteilen mit sich. Offenheit für andere Perspektiven oder auch Bewusstsein für das sich wandelnde Wissen.
Einfach gesagt beschreibt das Zitat, dass ein Mensch die absolute Wahrheit nie ganz erreichen kann. Es handelt sich dabei immer nur um Annäherungen oder auch Deutungen und nicht die 100% richtige Wahrheit.
Ich selbst finde, dass das Zitat zwar Sinn ergibt, aber in manchen Situationen vielleicht Angst einjagen könnte. Eine Unwissenheit ist nie schön und schon garnicht, wenn sie das ganze Wissen von einem Menschen betrifft.
Meiner Meinung nach will der Autor in diesem Zitat aufzeigen, dass es keine endgültige, also keine absolute Wahrheit gibt. Dieser Gedanke erinnert mich an Poppers Wahrheitsbegriff, welcher ähnlich definiert wird und in welchem die Wahrheit nie endgültig zu erreichen scheint, da wir uns nicht sicher sein können, diese je erreicht zu haben. So schlussfolgert Nikolaus von Kues, dass jegliche positive Behauptung einer Wahrheit nur eine Mutmaßung sein kann, da der letzte Schritt zur Wahrheit unerreichbar ist. Interessant an diesem Zitat finde ich jedoch den Bezug auf die positiven Behauptungen einer Wahrheit. Demnach sollen nur diese Mutmaßung sein. Warum macht der Autor jedoch diesen Unterschied zwischen einer positiven und einer negativen Wahrheit? Wenn die Wahrheit, so wie wir sie kennen, nicht erreichbar ist, was macht es dann für einen Unterschied, ob die Behauptung einer solchen positiv oder negativ ausfällt?
Ich denke, hier will der Autor darauf hinweisen, dass wir zwar versuchen können unglaublich nah an die Wahrheit heranzukommen, jedoch es uns schlussendlich unmöglich ist, diese auch zu erreichen. Dies ist eine Weisheit, die immer wieder in der Philosophie aufkommt, denn wir wissen nie, ob es nicht morgen einen schlauen Kopf geben wird, der die alte Theorie wieder widerlegen kann. Darüber hinaus denke ich auch, dass er uns mit diesem Beispiel sagen will, dass die wahre Kunst darin liegt, hochkomplexe Gedanken innerhalb von wenigen Worten prägnant zusammenzufassen.