… alles erstaunt. Das ist der Zustand der Kinder.«
Antoine de Rivarol
Rivarol, Antoine de: Vom Menschen. Gedanken und Maximen, Portraits und Bonmots. Darmstadt: WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), 2012. S. 190.
Ein Quarantäne-Blog in Krisenzeiten
Herausgegeben von Volker Friedrich
… alles erstaunt. Das ist der Zustand der Kinder.«
Antoine de Rivarol
Rivarol, Antoine de: Vom Menschen. Gedanken und Maximen, Portraits und Bonmots. Darmstadt: WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), 2012. S. 190.
Im Alter von sechs bis zehn Wochen beginnt das Kind, den Blick bewusster zu lenken, es kann die Eltern direkt ansehen und den Blick mit geweiteten Augen halten. Im Alter von etwa drei Monaten ist das Kind in der Lage, die Bewegungen der Eltern aus der Entfernung zu verfolgen. Am Ende des dritten Lebensjahres entdeckt das Kind sich selbst als eigenständige Person, als Quelle verschiedener Wünsche und Handlungen, getrennt von anderen Menschen. Das Kind beginnt zu erkennen, dass es einen Willen hat, der genutzt werden kann. Soviel zu den denkerischen Prozessen nach dem Beginn unseres Lebens … Kinder sehen die Welt oft mit freundlichen Augen, weil sie unvoreingenommen, neugierig und offen sind. Sie erleben vieles zum ersten Mal und betrachten ihre Umgebung mit Staunen und Begeisterung, frei von den Vorurteilen und Sorgen, die Erwachsene im Laufe ihres Lebens entwickeln. Was, wenn wir kindliche Eigenschaften bewahren könnten? Vielleicht wären wir emphatischer, weniger urteilsfreudig und offener für neue Perspektiven.
Der Zustand von Kindern, die Welt mit staunenden Augen zu sehen, ist beachtenswert, da er oft mit Neugier einhergeht. Allerdings geht dieser Zustand auch immer mit einer gewissen Unsicherheit einher, da selten etwas vertraut und direkt einzuordnen ist. Dennoch ist eine Balance zwischen kindlichen Staunen und erwachsener Erfahrung sicherlich erstrebenswert.
Zugegebenermaßen hat mich das Zitat erst einmal stocken lassen. »Nichts erstaunt, wenn alles erstaunt« führt mich zur Schlussfolgerung: Wenn alles gleich ist, dann gibt es keine Unterschiede. Das heißt wir brauchen Trauer, um Freude zu empfinden, oder Liebe, um Hass zu fühlen. Leicht und schwer. Hell und dunkel.
Kinder erleben alles zum ersten Mal, weil sie es davor noch nicht kannten. Aber bedeutet das: Nichts ist neu, wenn alles neu ist?
Kinder müssen unsere Welt erst entdecken. Vielleicht sollten wir öfter versuchen, die Welt durch Kinderaugen zu sehen, um wieder neue Dinge, Inspirationen und die Schönheit unserer Erde zu entdecken.